Denkfigur Rhythmus

Probleme und Potenziale des Rhythmusbegriffs in den Künsten


Als Zeitbegriff kann ‚Rhythmus‘ ganz unterschiedliche interdisziplinäre Fragen anregen: Wie hängt die Zeitlichkeit, die wir als rhythmisch erfahren, mit der physikalischen Zeit und unserem Bewusstsein von ihr zusammen? Ist der Rhythmus eines Gedichts zwangsläufig der sprachliche, metrische Wortrhythmus oder meint rhythmisches Erleben noch viel mehr? Nehmen wir auch Bilder, unbewegte zumal, rhythmisch gegliedert wahr? Ist dieser Rhythmus im Bild zu situieren oder ist er ein Modus der Erfahrung? 

Wie diese Beispiele zeigen, problematisiert die Rede von Rhythmen die unserem aisthetischen Weltbezug eigene zeitliche Dimension. Aber sie ist auch selbst problematisch: Es gibt kaum einen Versuch, Rhythmus zu definieren, der sich nicht, ob gewollt oder ungewollt, auf frühere Erklärungsmuster bezöge. Diese aber haben ihren je eigenen historischen Ort und sind nicht unbedingt zeitlos gültig. Ist die Rede von Rhythmen also in erster Linie ein historisch zu rekonstruierendes Phänomen? Kann es überhaupt noch einen systematischen Rhythmusbegriff geben? Was könnte gerade die ‚Theorie‘ für einen heutigen Rhythmusbegriff leisten? 

Kurz, es bedarf eines kritischen Umgangs mit den Problemen und Potenzialen der historischen und systematischen Rede von Rhythmen in den Künsten, wie ihn dieser Band leistet. Während ‚Rhythmus‘ mal als Grundbegriff, mal hingegen als inflationär gebrauchte Worthülse galt und gilt, zeigt dieser Band, dass sich der Terminus insbesondere dann als sinnvoll erweisen könnte, wenn man die Widersprüche, auf die er hinweist, nicht künstlich aufzulösen versucht, sondern offen in die Rede von Rhythmen einbezieht. 


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Vorgriffe auf das schöne Leben

Weimarer Klassik und Pariser Mode

Goethe war nie in Paris. Mehr noch, die Kultur der im späten 18. Jahrhundert tonangebenden französischen Metropole scheint am klassischen Weimar insgesamt vorbeigegangen zu sein: Die Klassiker, so schien es bislang, bezogen ihre literarische Inspiration und künstlerische Bildung in erster Linie aus dem ‚antiken’ Süden, etwa Rom. Mit dieser Vorstellung aber, so zeigt diese Studie, ist das Bild der Weimarer Klassik unvollständig. Vielmehr wurde im beginnenden urbanen Zeitalter das Pariser Leben nirgendwo so akribisch als ästhetisches Phänomen studiert wie im klassischen Weimar, fast leidenschaftlich stilisiert man sich als Gegenpol zur Großstadt. Doch dass eine kategorische Abwehr der Pariser Populärkultur – Mode, Konsum, Kunst fürs Publikum – nicht die Antwort auf die längst greifbaren epochalen Veränderungen der Kultur sein konnte, stand auch und gerade Goethe schon früh deutlich vor Augen. Die Studie zeichnet daher nicht nur das deutsche Paris-Bild um 1800 am Weimarer Beispiel nach. Sie deckt auf, dass der abwehrende wie faszinierte Einblick in das Dazwischen von Kunst und Konsum die geheime Triebfeder ist, mit deren Wirkung sich vom Werther-Roman bis zu Faust II Goethes Begriff des Schönen in seiner bis heute gültigen Gestalt erst entfalten konnte. 

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Nachtseite des Sinnbilds

Die romantische Allegorie

Die Allegorie ist in vielerlei Hinsicht das Herzstück der romantischen Kunsttheorie. Die Romantiker entdecken in der tradierten rhetorischen Figur der Allegorie ein neues Potential, um die Relation von Zeichen und Bedeutung auf eine neue Grundlage zu stellen. Der klassische enge Zeichenmodus der Allegorie, dem zufolge im gegenständlich Vorgestellten ein konzeptuell Gemeintes zu lesen ist, wird in der Romantik unterlaufen, und doch wird offensiv an der Tradition des allegorischen Bedeutens festgehalten. Die Deutungsansätze hierzu divergieren bislang. Es wurde ebenso argumentiert, dass Romantiker damit auch den Anspruch universalen Bedeutens fortführen, wie auch, dass sie im Gegenteil die Produktion von Sinn einem Spiel selbstbezüglicher Formen ohne verbindliche Bedeutung anheimgeben. Das vorliegende Buch schlägt eine andere Lösung vor: Es profiliert die der Allegorie inhärente Temporalität. Die im allegorischen Modus zeitlich artikulierten Widerspruchserfahrungen zwischen Zeichen und Bedeutung können ein zentriertes Zulaufen des Dargestellten auf den einen Sinn verhindern und mittels der Temporalität dieses Prozessierens dennoch Einsichten vermitteln. Mit dem Fokus auf Zeit und Darstellung adressiert das Buch Grundfragen der Romantik und schlägt eine Brücke zur Theorie der Allegorie in der Moderne. 

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Schrift im Bild

Rezeptionsästhetische Perspektive auf Schrift-Bild-Verhältnisse in den Künsten

Herausgegeben zusammen mit Johannes Grave

Wenn Schrift im Bild erscheint, partizipiert sie offenbar nicht einfach nur am Bildträger, sondern prägt den Rezeptionsvorgang auf spezifische Weise. Denn sie eröffnet dem Rezipienten die Wahl zwischen verschiedenen Wahrnehmungsmodi, verlangt ihm aber auch einen oder mehrere Wechsel zwischen dem Sehen und dem Lesen ab. Der vorliegende Band geht davon aus, dass dabei verschiedene, durchaus auch einander widerstreitende Zeiterfahrungen angeregt werden. Die besondere Bild-Text-Relation der Schrift im Bild lässt sich nicht allein auf der reinen Bedeutungsebene verstehen, da ihr Spannungsverhältnis im Vollzug der Rezeption immer neu aktualisiert werden muss. Hiervon ausgehend, erproben die Autorinnen und Autoren dieses Bandes neue Ansätze, um das Verhältnis der Elemente von Bild und Schrift zu analysieren. Dabei steht nicht zuletzt die für Text-Bild-Relationen bislang eher selten gestellte Frage im Raum, ob das spannungsreiche Zusammenspiel von Bildbetrachtung und Schriftlektüre den Rezipienten dazu anregt, die Temporalität seiner eigenen Wahrnehmung bewusst zu erfahren. 

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Marcel Proust et les Arts Décoratifs

Poétique, matérialité, histoire

Herausgegeben zusammen mit Julie Ramos

À la recherche du temps perdu retrace toute une histoire du goût, de la mode et du décoratif qui invite à un dialogue entre histoire de l’art et approche philologique. Cet ouvrage interroge les potentialités de l’objet matériel tel qu’il apparaît dans le roman.


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Das Auge der Sprache

Ornament und Lineatur bei Marcel Proust

Marcel Proust ist nicht nur ein Denker der Erinnerung, sondern auch ein Dichter der Wahrnehmung. Dieses schreibende Sehen gipfelt, so der Ansatz dieser transdisziplinären Studie, in der Beschreibung von Ornamenten und Lineaturen. »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« birgt als Roman eine ganze Kunstgeschichte. Aus der Kunstkritik und John Ruskin-Lektüre hervorgehend, wird diese für die dichterische Sprache als einem visuell geschulten, immer sensibleren Organ der Wahrnehmung aber inszeniert und arrangiert: durch das Ornament, das, zwischen Zeichen und Bezeichnetem vermittelnd, eine neue Ordnung des Schreibens und Sehens hervorbringt. Selbstbeobachtung von Wahrnehmung, physiognomisches Rätselbild einer kunstgesättigten Lebenswelt um 1900 und Symbolfigur eines modernen unendlichen Schreibens – in diesem ornamentalen Blick, im Auge der Sprache, gelingt es Prousts Roman, vielleicht als letztem zwischen Belle Epoque und Moderne, in der Ordnung des Schönen die unabschließbare Wahrnehmung zu bannen.

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